Schriftzug Thomas Borghoff

Marktübersicht historische Mauerziegel (November 1999)

nach oben - zur Übersicht

Gewinnung

Um einen Mauerziegel zur Wiederverwendung zu bergen, bedarf es einiger Vorraussetzungen. Die beiden wichtigsten sind: Der Ziegel selbst muß unbeschädigt sein, und er muß sich aus dem Verband ebenso unbeschädigt lösen lassen. Die zweite Vorraussetzung ist in erster Linie an die betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen gebunden. Hier ließe sich eine Funktion aus Endpreis, Transportkosten, Lagerkosten, Bergungskosten und Art des Mörtels entwickeln, die das Problem allgemeingültig beschriebe, wir werden uns hier jedoch auf eine Bewertung der einzelnen Faktoren und Ihrer gegenseitigen Abhängigkeiten beschränken.

nach oben - zur Übersicht

Mörtel

Als verkürzt zusammengefaßte Erfahrung soll der Satz gelten: »Je moderner der Mörtel, desto schwieriger die Bergung«. Der Einsatz von zementgebundenen Mörteln macht die Wiederverwendung eines Mauerziegels fast unmöglich. Zwar mag es Mittel und Wege geben, auch in einem solchen Fall Ziegel und Mörtel zerstörungsfrei zu trennen. Die Kosten-Nutzen-Analyse fiele jedoch sicherlich sehr ungünstig aus. Bei nur geringem Zementanteil oder zementfreiem Mörtel ist eine Wiederverwendung fast immer machbar. Da sich der Zement im Laufe des 19. Jahrhunderts durchsetzte und Branntkalk und hydraulischen Kalk als Bindemittel im Mörtel ablöste, ist bei Mauerwerk dieses Jahrhunderts vermehrt mit Problemen bei der Bergung der Mauerziegel zu rechnen. Diese vage gehaltene Formulierung macht deutlich, daß das Problem regional und zum Beispiel auch entlang der Gedankenlinie Stadt-Land variiert.

nach oben - zur Übersicht

Bergungskosten

Die aufzubringenden Bergungskosten pro Einheit stehen in direktem Zusammenhang mit Art und Beschaffenheit des Rückbauobjektes sowie der Kostenstruktur für die beschäftigten Mitarbeiter. Die Bergung erfolgt immer mit einem hohen Anteil manueller Arbeit. Maschinelle Unterstützung ist nur beim Einbrechen von Mauern und dem Transport auf dem Gelände möglich. Bei sehr hochwertigen Steinen, weichem Mörtel oder niedrigen Arbeitshöhen kann auch beim Einreißen der Mauern auf den Maschineneinsatz verzichtet werden. Sehen wir einmal von subventionierten Arbeitskräften oder dem grauschwarzen Arbeitsmarkt ab, stehen bei heutigen Marktpreisen etwa 20 bis 30 Pfennig Stücklohn für das Reinigen und Palettieren von Mauerziegeln des unteren Preis- und Qualitätssegments zur Verfügung.

nach oben - zur Übersicht

Transportkosten

Historische Mauerziegel sollten auf stabilen Paletten transportsicher gestapelt werden. Die Zahl der Ziegel pro Palette ergibt sich in etwa aus der Beladung eines 40-Tonners. 14 bis 16 Tonnen Zuladung durch 24 bis 26 Europaletten durch das Gewicht eines Ziegels ergibt für Ziegel im Reichsformat etwa 300 Stück pro Europalette. Diese werden mit Metall- oder besser Plastikbändern auf der Palette fixiert. Vom Einsatz von Folien ist bei weichgebrannten Ziegeln und deren Lagerung im Freien aufgrund winterlicher Frostschäden eher abzuraten, für andere Fälle ist dies aber durchaus eine Alternative. Der Transport eines Mauerziegels quer durch die Republik schlägt bei einer nicht zeitkritischen Lieferung mit etwa 15 bis 25 Pfennig bei kompletter Ausladung eines Zuges zu Buche. Diesen relativ niedrigen Preis gilt es beim Vergleich von Angeboten natürlich zu beachten.

nach oben - zur Übersicht

Lagerkosten

Die reinen Lagerkosten für Mauerziegel sind, die Kapitalbindung einmal außer Acht gelassen, relativ marginal. Auf zwei Quadratmetern lassen sich etwa 900 bis 1200 Steine auf drei bis vier Paletten lagern. Das ergibt pro Monat und Ziegel Kosten in der Größenordnung eines Pfennigs. Auf Gewerbeflächen in Ballungsräumen ist der Preis natürlich entsprechend höher.

nach oben - zur Übersicht

Formate, Produktion und Farbe

Die Formattabellen machen deutlich, daß sich bezüglich der Formate ein Süd-Nord-Gefälle ergibt. In Norddeutschland dominieren Formate unterhalb des 1871 eingeführten Reichsformates (RF), im Süden sind die Ziegel tendenziell größer. Sehen Sie bitte diese Feststellung als Tendenz mit Widersprüchen. Die Einführung des Reichsformates führte nicht zu einem plötzlichen Verschwinden abweichender Formate und auch vor Einführung wurden Ziegel dieses Formats produziert. Großformatige Ziegel lassen sich auch am Niederrhein finden und am Oberrhein wurden auch schon einmal kleinere Formate aus dem Elsaß verbaut. Begleitet wird diese Vielfalt auch noch durch die Tendenz, bei der Einordnung des Formats heute eine ähnliche Toleranz wie die ursprünglichen Produzenten walten zu lassen. »Etwa Reichsformat« heißt eben nicht genau Reichsformat.

nach oben - zur Übersicht

Bezüglich noch sichtbarer Produktionseigenschaften lassen sich Eigenschaften wie Handformung oder Strangpresse meist noch deutlich erkennen. Auch die verschiedenen Methoden der Oberflächenveredelung lassen sich teilweise bis in den letzten Handgriff hinein deuten.

nach oben - zur Übersicht

Die Beschreibung der Farbe eines Ziegels ist ein Spiel mit teilweise komischen Zügen. So mögen »Gelb« und »Rot« noch relativ allgemeingültige Kriterien sein, die Nuancen zwischen gelborange, orange, rotorange, orangerot, rotbraun, hellrot, dunkelrot, purpur, geflammt usw. zeugen doch eher vom vergeblichen Versuch einer eindeutigen Farbordnung. Zudem sind viele Ziegel in sich und auch innerhalb einer Wand alles andere als einheitlich. Hier könnten Farbtabellen dabei helfen, die Begriffsverwirrung zu verringern. Allerdings hat sich die Branche noch nicht auf die Benutzung einer einheitlichen Farbtabelle geeinigt.

nach oben - zur Übersicht

Gemischte Lose

Die allgemeinste Sortierung eines Loses historischer Mauerziegel zur Wiederverwendung dürfte die Sortierung »Mauerziegel, etwa Reichsformat, Vor- und Hintermauerwerk gemischt, Farbe gemischt« sein. Wenn Sie vor allem Wert auf die »antike Optik« oder das Recycling von Baustoffen an und für sich legen, sind Sie damit bestens bedient. Zu dieser Kategorie gehört auch der Teil meist süddeutscher Mauerziegel, der bereits ursprünglich verputzt war. Bei diesem gilt es zu beachten, daß die Ziegel nicht unbedingt zum ziegelsichtigen Einbau in Außenmauern, wohl aber für Innenwände oder die Hintermauerung geeignet sind. Der Grund ist dabei nicht die durch den Verputz entstandene Optik, sondern der Umstand, daß diese unter Umständen auch im Mauerverband nicht frostsicher sind. Diesem Umstand wurde beim Ersteinbau durch den Verputz Rechnung getragen, der eine Durchfeuchtung und anschließende Aufsprengung durch Frost verhinderte.

nach oben - zur Übersicht

Sichtmauerwerk

Die nächste Sortierstufe läßt sich mit dem Begriff »ehemaliges Sichtmauerwerk« beschreiben. Diese Sortierung soll Ihnen garantieren, daß die Steine nicht verputzt waren, und zusätzlich soll gewährleistet werden, daß mindestens eine Sichtseite unbeschädigt ist. Meist handelt es sich dann auch um bezüglich Format, Farbe und Oberfläche relativ einheitliche Lose, die bei Bedarf oder auf Wunsch auch aus einem Gebäude stammen können. Diese Sortierung gibt es natürlich auch bei Formaten, die vom Reichsformat abweichen und tendenziell teurer sind. Diese Steine haben ihre Tauglichkeit für den Einsatz als Sichtmauerwerk zwar nicht im Werkstoffprüflabor bewiesen, einhundert oder mehr Jahre Praxiseinsatz als Sichtmauerwerk sollten bezüglich Ihrer dementsprechenden Eignung allerdings Argument genug sein.

nach oben - zur Übersicht

Verblender

Eine weitere Sortierstufe eines speziellen Formats sind die »Verblendklinker«. Dabei handelt es sich um in Form, Farbe und werkstofftechnisch besonders gleichmäßige Ziegel, meist im Reichsformat, einem entsprechenden Regionalformat oder einer Sonderausführung.

nach oben - zur Übersicht

Die Bedeutung des Verbandes

Bitte beachten Sie bei Sichtmauerwerk noch folgenden Hinweis: Geben Sie unbedingt den Mauerverband an, in dem die Ziegel später verarbeitet werden. Wenn Sie zum Beispiel einen reinen Binderverband wählen, brauchen Sie fast ausschließlich kopfseitig sichtige Ziegel, beim reinen Läuferverband dagegen benötigen sie läuferseitig sichtige Ziegel. Stammen die Ziegel jedoch zum Beispiel aus einem Blockverband, so ist mit einem Drittel läuferseitig und zwei Dritteln kopfseitig sichtigen Ziegeln zu rechnen!

nach oben - zur Übersicht

Restaurations- und Ergänzungsbedarf

Speziellere Anforderungen werden in aller Regel im Bereich Restaurations- und Ergänzungsbedarf benötigt. Hier orientiert sich der Bedarf mehr oder minder stark an einem Bestand, in dem zum Beispiel eine Handvoll zerstörter Ziegel ersetzt werden muß. Manchmal wird auch hier eine größere Menge benötigt, wenn komplette Wände oder Baugruppen neu an den Bestand angeschlossen werden sollen. Werden für ein solches Bauvorhaben Ziegel benötigt, so gestaltet sich der Sortieraufwand häufig sehr aufwendig.

nach oben - zur Übersicht

Spezielle Eigenschaften

Zu nennen sind hier alle Varianten von Formziegeln, glasierten oder engobierten Ziegeln, Handstrichziegeln, Feldbrandziegeln usw.. Hier ist ein jeden Bedarf abdeckendes und gleichbleibendes Angebot nicht gewährleistet und der Preis orientiert sich häufig auch am Beschaffungs- und Sortieraufwand. Zudem wird es sich bei einem solchen Bedarf regelmäßig auch um kleine und kleinste Stückzahlen handeln, die aus betriebswirtschaftlichen Gründen mit einem »Mindermengenzuschlag« befrachtet werden müssen.

nach oben - zur Übersicht

Preisgestaltung

Der Preis für einen Mauerziegel steigt parallel zum Aufwand, der mit einer Lieferung verbunden ist. Dieser an und für sich banale Satz faßt zusammen, warum spezielle Anforderungen auch zu höheren Preisen führen. Möchten Sie zum Beispiel Ziegel mit einer geringeren Maßtoleranz als angeboten beziehen, muß ein Los Ziegel entsprechend sortiert werden. Gleiches gilt für entsprechende Wünsche hinsichtlich Farbe, Härte, Oberfläche usw.. In einem Satz zusammengefaßt läßt sich die Preisstruktur wie folgt beschreiben: Den geringsten Stückpreis pro Ziegel zahlen Sie, wenn der Händler Ihnen in den nächsten zwei Monaten einen kompletten 40-Tonner mit Mauerziegeln etwa im Reichsformat und relativ beliebiger Farbe anliefern soll.

nach oben - zur Übersicht