Schriftzug Thomas Borghoff

Marktübersicht historische Natursteinplatten für den Außenbereich (Mai 2000)

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Begrenzter Einsatz

Der Einsatz von Bodenplatten aus Naturstein im Außenbereich war eher unüblich. Befahrene Flächen wurden eher mit Plastersteinen belegt, die übliche Eisenbereifung hätte bei Platten zu schnellem Verschleiß geführt. Nur begangene Außenflächen mit Natursteinplatten auszulegen, zeugte von herausgehobenem Wohlstand, der zu früheren Zeiten kein allzu verbreitetes Phänomen war.

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Der Einsatz von Natursteinplatten erfolgte meist im Innenbereich von Wohn- und Wirtschaftsräumen. Viele der heute für den Außenbereich angebotenen und geeigneten Platten stammen aus gewerblichen und landwirtschaftlichen Lagerflächen. Dementsprechend ist das Angebot: begrenzt in Verfügbarkeit und von eher »derbem« Charme.

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Historische Produktion

Die Gewinnung von und der Handel mit Natursteinen als Baumaterial hat sich in den vergangenen etwa 150 Jahren grundlegend gewandelt. Noch vor dem ersten Weltkrieg hatte fast jeder Weiler der Mittel- und Hochgebirge sein »Loch«, aus dem Natursteine für den lokalen und regionalen, selten auch den internationalen Markt gewonnen wurden. Heute ist die Zahl der deutschen Steinbrüche auf etwa 300 Brüche geschrumpft, während gleichzeitig die Mehrheit des heute verbauten Natursteines importiert wird. Zum Vergleich: Allein im Weserbergland gab es Mitte des 19. Jahrhunderts noch über 300 registrierte Steinbrüche.

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Transport

Karren

Der Transport mit Karren war trotz Verbesserung der Transportwege auch im 19. Jahrhundert nur im Nahbereich möglich. So betrug die zuverlässige Tagesreichweite eines schweren Fuhrwerkes etwa 20 km. Dies wird in der Literatur auch als Vermarktungsgrenze für ein normales Vorkommen angesetzt.

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Schiffahrt

Die Flußwege reichten auch damals deutlich weiter und eigneten sich auch besser für den Transport schwerer Lasten. Doch darf dabei nicht vergessen werden, daß der Schiffs- und Floßtransport durch Eis, Hoch- und Niedrigwasser alles andere als im heutigen Sinne zuverlässig war. Beschwerlich und durch Schnellen und Furten gefährlich war er allemal. Trotzdem zeigt die Verwendung der in den Mittelgebirgen gewonnenen Steinsorten entlang der Flüsse und der damit verbundenen Kanäle den regen Handel mit Natursteinen an.

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Eisenbahn

Der Ausbau der Eisenbahn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verwischte diese traditionellen Transportlinien dann fast vollständig. Wie in vielen anderen Bereichen auch kann die Jahrhundertwende 1900 als Orientierungspunkt für die Auflösung des Regionalprinzips gewertet werden.

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Lastkraftwagen

Auf die Spitze getrieben wird die Entwicklung bei der Wiederverwendung historischer Baustoffe. Vergleichen Sie die angegebenen Preise mit Transportkosten von etwa einer Mark pro Quadratmeter und 100 km, so wird deutlich, daß selbst bei einem solch schweren Material die überregionale Anfrage Sinn macht.

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Steinsorten

Speziell zur Produktion von Bodenplatten eigneten sich in vorindustriellen Zeiten natürlich schiefrige Steinbänke, deren natürlich vorgegebene Spaltlinien die Produktion von Platten erleichtern. Bei Sedimentgesteinen wie Sandstein und einigen Kalksteinen finden sich in vielen Vorkommen entsprechende Varietäten, die die Spaltrichtung vorgeben. Ähnlich schiefrige Struturen finden sich unter anderem bei einigen alpinen Gneisen schiefriger Qualität (»Spaltgranit«).

Weitaus schwieriger gestaltet sich die Plattenproduktion aus kompakten Gesteinen ohne lagige Struktur, wie zum Beispiel den entsprechenden Graniten, Quarzporphyren oder Syeniten. Im Zeitalter der weitgehend handwerklichen Produktion wurden diese Sorten überwiegend lokal und bei Mangel an Alternativen verwandt. Die Mechanisierung der Arbeitswelt gegen Ende des 19. Jahrhunderts erlaubte dann auch einen Einsatz dieser Gesteine. Diese Vorbemerkungen machen deutlich, warum die historische Fertigung von Bodenplatten aus Naturstein in einigen Regionen Deutschlands sehr weit, in anderen fast gar nicht verbreitet war.

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Produktion

Prost

Beschwerlich war nicht allein der anschließende Abtransport der gefertigten Steine. Auch die Fertigung selbst war alles andere als gesundheitsfördernd. Nicht nur die mechanische Belastung spielte dabei eine Rolle, besonders der quarzhaltige Sandstein hatte es im wahrsten Sinne des Wortes in sich. Ein 40-jähriger Steinhauer aus dem Solling hatte im vorvergangenen Jahrhundert seine Lebenserwartung erreicht. Daß ihm zum Herunterspülen des lungenschädlichen Quarzstaubes täglich ein halber Liter Schnaps bereitgestellt wurde, war der Regeneration sicher auch nicht zuträglich.

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Abräumen:

Nur in den seltensten Fällen treten in den Mittelgebirgen verwertbare Steinschichten (Bänke) zutage. Am ehesten war und ist dies noch am Ufer der Flüsse im Bereich der Mittelgebirge der Fall. Ansonsten mußten zuerst die Deckschichten aus Mutterboden und Gesteinen verschiedener Verwitterungsstufen abgetragen werden. Dabei näherte man sich schichtweise den verschiedenen Steinbänken. Angesichts der Plackerei geschah es regelmäßig, daß auch weniger geeignete Steinbänke ausgebeutet wurden, mit spürbaren Folgen bis heute.

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Klüftung

Viele Steinbänke zeichnen sich durch natürliche horizontale und vertikale Klüftungen aus, die bei der Gewinnung geeigneter Blöcke sinnvoll ausgenutzt werden konnten. Für größere Blöcke, die als erster Schritt auch bei der Produktion von Platten aus der Steinschicht herausgelöst werden mußten, war eine geduldige Vorarbeit nötig.

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Ganz langsam und ganz schnell: Mit Handbohrern wurden entlang der geplanten Bruchlinie Löcher in den Steinblock getrieben. Wo es der Stein vertrug wurden die Blöcke auch mit Schwarzpulver abgetrennt. Wo der Stein eine solche Behandlung nicht verziehen hätte, wurde der Block mechanisch abgespalten. Die »natürliche« Methode war das Eintreiben von Buchen- oder Eichenkeilen in die Bohrungslöcher, die anschließend genäßt wurden, der Rest konnte dem natürlichen Drang des Holzes überlassen bleiben.

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Keilen

Die vermutlich genauere Methode ist das Arbeiten mit Feder- und Kernkeilen. In jedes Loch werden zwei Federkeile gesteckt, zwischen die der Kernkeil eingeschlagen wurde. Hierbei kann der Steinhauer den Spaltvorgang besser steuern, soweit man von Steuern im eigentlichen Sinne überhaupt sprechen kann. Diese Arbeit kann in manchen Steinbrüchen auch noch »live« verfolgt werden. Bis auf den Austausch von Hand- durch Pressluftbohrer wird dieses Verfahren auch heute noch praktiziert.

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Vom Block zur Platte:

Ist der Block gewonnen, kann er schichtweise gespalten werden. Hier macht sich eine lagige Struktur des Gesteins positiv bemerkbar. Das Aufspalten der Platten kann dann ohne weitere Vorarbeiten durchgeführt werden. Anschließend werden größere Unebenheiten oder Schichtsprünge an der späteren Oberfläche der Platte abgeschlagen. Letzter Schritt ist das Anreißen und Zuhauen der Plattenkanten. Die Platten sollten sich zur späteren Unterseite hin verjüngen, was an das Zuschlagen eine weitere Anforderung stellt. Sollte sich Ihnen die Gelegenheit bieten: Einem alten Steinhauer bei dieser Arbeit zuzuschauen, wird Sie verblüffen. Er schlägt die zuvor angerissene Kante schneller und genauer, als Sie freihand auch nur einen entsprechenden Strich zeichnen könnten.

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Glätten

Wenn die Oberfläche der fertig zugehauenen Steine eine glatte Oberfläche erhalten sollten, wurden sie in eine Schleifmühle verbracht. Die Konstruktion dieser Schleifmühlen war denkbar einfach. Eine Lage Platten wurde unterhalb des Schleifrades auf den Boden gelegt. Eine zweite Lage wurde mit der Oberfläche nach unten in das Schleifrad gespannt. Ein Wasserantrieb drehte das mehrere Meter durchmessende Rad. Zur Verbesserung der Prozedur wurde automatisch Sand und Wasser eingeleitet. Wo ein natürliches Gefälle zur Ausnutzung der Wasserkraft fehlte, wurden solche Schleifmühlen auch von im Kreis laufenden Tieren angetrieben (Göpel).

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Einige Materialbeispiele

Wesersandstein aus dem Solling

Sowohl aus geologischen als auch geographischen Gründen war der Solling, eine Region rechts der Weser zwischen Göttingen und Hameln, etwa drei Jahrhunderte lang Exporteur des heimischen roten Sandsteins (Untere Trias). Als Werkstein untrennbar mit der Weserrenaissance verbunden, ist dieser Stein aber ebensowenig als Massenbaustoff der Region wegzudenken. Die aus lagigen Varietäten gewonnenen Dachplatten auf den Dächern prägten wie die Bodenplatten in den großen Dielen die Gebäude der Region. Die günstige Lage an der schiffbaren Weser und die damit begünstigten Exporte Richtung Bremen und auch Übersee verhalf den Einwohnern vom 16. bis zum 19. Jahrhundert zu einem Zuerwerb. Noch heute arbeiten hier Brüche, aus denen handgeschlagene Bodenplatten zu überraschend günstigen Preisen stammen.

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Grauwacke aus dem Rheinland

Grauwacke ist ein sandsteinartiges Sedimentgestein, das in Deutschland im Rheinland, dem Harz und der Lausitz zu finden ist. Im Unterschied zum weit verbreiteten und vorwiegend aus Quarzen bestehenden Sandstein, besteht Grauwacke weitgehend aus Trümmern basischer Minerale wie z.B. Diabas oder Grünschiefer. Die Grauwacke hat nicht die überregionale Bedeutung gewonnen wie der Wesersandstein, ist diesem in technischer Sicht aber ebenbürtig.

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Granit aus der Lausitz

Ein sehr bekanntes Beispiel für Granitplatten sind die meist aus Schlesien oder der Lausitz stammenden Krustenplatten oder auch »Berliner« und »Charlottenburger Platten«. Zu finden sind diese Platten vor allem in einem regionalen Bereich, der mit Schiffen von der Oder aus erschlossen war.

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Formate

Ecke auf Ecke – Quadrate

Unter Formatplatten verstehen wir Platten, deren Format das Verlegen mit einheitlichem Fugenbild erlaubt. Sehr selten werden Sie für den Außenbereich quadratische Formate finden. Ebenfalls eine Rarität dürften gleichmäßige Rechtecke sein.

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Kante auf Kante – Bahnen

Relativ häufig wird sich sogenannte Bahnenware finden lassen, also Platten mit einer einheitlichen und einer variierenden Kantenlänge. Diese werden mit den gleichlangen Kanten aneinander in Bahnen verlegt. Besonders geeignet ist dieser Verband für kleinere Flächen am Haus oder im Garten, die als Verkehrs- und Ruheflächen dienen sollen. Interessant wird auch die kombinierte Verlegung dieser Platten mit Einfassungen oder Zwischenreihen aus Naturstein- oder Ziegelpflaster.

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Weder noch – Römisch:

Ähnlich häufig finden sich rechteckige Platten in völlig unterschiedlichen Formaten, die im sogenannten Römischen Verband verlegt werden. Grundsatz bei diesem Verband ist, daß sich keine kreuzenden Fugen finden lassen. Dieser Verband eignet sich auch vorzüglich zur Mischung von Platten aus verschiedenen Steinsorten. Beim »historisch-korrekten« römischen Verband entstehen immer unterschiedlich breite Fugen, auch müssen die Platten nicht hundertprozentig ausgerichtet sein, so daß auch leicht konische Fugen enstehen können.

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Viel Arbeit – Polygonal

Polygonale Platten werden entweder aus ehemals tatsächlich so verlegten Flächen gewonnen oder aus Bruchstücken ehemaliger Formatware. Das Kunststück bei diesen Platten ist die Verlegung mit einem einheitlichen Fugenbild. Bei diesem Material sind zwar die Preise nierdiger als bei der Formatware, die zur Verlegung notwendige Arbeitszeit sollte aber nicht unterschätzt werden. Das Format eigent sich besonders für kräftige Liebhaber von Freiluftpuzzles.

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Ohne Verband – Trittsteine

Trittsteine sind eine recht kostengünstige Variante für nicht allzu häufig frequentierte Wege ohne »Begegnungsverkehr«. Sie verbinden die Vorzüge eines matschfreien Weges mit der Möglichkeit, auch mit einem kleinerem Budget auszukommen. Als Trittsteine geeignet sind Platten, die eine gewisse Größe aufweisen (ab ca. 60 cm) und nur noch als zweite Wahl durchgehen, weil zum Beispiel die Kantenbeschaffenheit nicht mehr den Anforderungen einer hochwertigen Formatware entsprechen.

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