Schriftzug Thomas Borghoff

Deutsches Ofenmuseum eröffnet (September 2000)

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Am 3. September 2000 eröffnete der Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, im pfälzischen Weinbauort Burrweiler das Deutsche Ofenmuseum. Es zeigt die Entwicklung gußeiserner Öfen von der offenen Feuerstelle des 16. Jahrhunderts bis zum Bauhausofen des 20. Jahrhunderts.

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Präsentiert werden 69 Öfen in kleinen Szenen, die das jeweilige historische Umfeld exemplarisch dokumentieren. Finanziert und unterhalten wird das Museum von Ruth und Markus Stritzinger. Das Ehepaar Stritzinger handelt seit fast 20 Jahren mit europäischen und auch amerikanischen Eisenöfen. Seit drei Jahren sind Sie mit Ihrer »Antik Ofen Galerie« auch Mitglied im Unternehmerverband Historische Baustoffe e.V..

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»Wir sind glücklich darüber unsere Sammlung endlich der Öffentlichkeit angemessen präsentieren zu können«, sagte eine strahlende Ruth Stritzinger in Ihrer Eröffnungsansprache. Und welcher Weg hinter den Stritzingers liegt, kann man erst so richtig ermessen, wenn man sich von den beiden die Geschichte erzählen läßt. Seit Jahren überführt das Paar besonders repräsentative Zeitzeugen deutscher Ofenbaukunst aus dem Handel in ihre Sammlung. Bereits der Kauf der ehemaligen Postkutschenstation Burrweiler, die heute Wohnung, Verkaufsräume und eben die Sammlung beherbergt, wurde vor elf Jahren im Hinblick auf die Eignung zur öffentlichen Präsentation ihrer Sammlung getätigt.

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Daß diese Sammlung jetzt vom Patentamt in München das Recht erhielt sich »Deutsches Ofenmuseum« zu nennen unterstreicht ihre Einzigartigkeit und Vollständigkeit. Ministerpräsident Kurt Beck bezeichnete in seiner Ansprache das Engagement des Ehepaars Stritzinger dann auch als beispielgebend: »Diese Privatinitiative hat als praktische Umsetzung des Ideals einer engagierten Bürgergesellschaft Vorbildfunktion«.

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Und egal ob es sich um einen nur 70 cm hohen Rundofen des Barock oder einen mehr als 2,5 Meter hohen Prunkofen des Historismus handelt, für die Stritzingers ist jedes Stück wichtig: »Erst in der Komplettheit einer Sammlung läßt sich die Leistung auch der vorindustriellen Ofengießer richtig erfassen«, so Markus Stritzinger.

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Die Stritzingers in Ihrem Museum zu erleben, heißt, Sammlerleidenschaft kennenzulernen. Zeichnet sich schon die Inszenierung durch die Liebe zum Detail aus, so gilt das noch viel mehr für die Erklärungen und Hintergründe, mit denen sie jeden einzelnen Ofen beschreiben können. Der Leidenschaft mit der die Stritzingers auf das »Deutsche Ofenmuseum« hingearbeitet haben, kann sich niemand entziehen.

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Die Sammlung ermöglicht einen Rundgang durch vierhundert Jahre Kunst- und Technikgeschichte. Den Anfang machen eine zeitlose offene Herdstelle und einige barocke Rundöfen. Wer jetzt in ein museumsübliches, distanziertes Schlendern verfallen will, hat Pech gehabt. Dazu fehlt in dieser Sammlung schlicht der Raum. So ist man fast schon gezwungen sich den Öfen körperlich anzunähern. Und spätestens in den nächsten Abteilungen mit Öfen aus Renaissance und Klassizismus wird das Auge zum Beispiel durch eine hühnereigroße Simsverzierung gefangen, aus der mit abnehmendem Abstand ein ausdrucksstarkes ehernes Gesicht wird.

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Von Ofen zu Ofen entwickelt sich die klassizistische Strenge der Ornamente im weiteren Rundgang in die überbordene Ornamentik des späten 19. Jahrhunderts. Je nach persönlichem Geschmack läuft einem an dieser Stelle ein wohliges oder auch gruseliges Schauern den Rücken herab, ungeteilte Bewunderung muß jedoch dem technischen Können dieser Zeit gelten. Wenn man dann genug hat von lauter Prunk, Pracht und auch Protz des 19. Jahrhunderts, sieht man sich dem radikalen Wechsel der Formensprache zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegenüber. Zuerst Öfen des Jugendstil in strenger oder üppig-floraler Linienführung, anschließend Bauhaus in seiner nachvollziehbar verstörenden Neuheit. Oder eben auch nicht, wie ein Blick auf den gegenüberliegenden Anfang mit seinen ebenfalls sehr schlichten Rundöfen zeigt. Was am Anfang des Rundganges Reduktion auf das technisch Machbare war, endet im Verzicht auf ebendieses.

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Vollzieht man den Gang durch die Sammlung in einem Wechselspiel aus aufrechtem Gang und Verbeugungen zur Erfassung der Details, gibt es immer wieder Neues und Altbekanntes zu entdecken. Auch heute noch klangvolle Namen wie beispielweise »Küppersbusch« sind zu lesen. Märchenöfen, die an die Spielzeugburg aus Kindertagen erinnern, um den man damals den Nachbarjungen beneidet hat. Skulpturen wie eine Feldarbeiterin, bei der man erst dann glauben kann, daß es sich um einen Ofen handelt, wenn man den Rauchauslaß im Rücken entdeckt hat. Kohleöfen im »Amerikanischen Stil«, die den chromblitzenden Cadillac späterer Jahre förmlich vorwegnehmen. Bügeleisenöfen, Kaffeeröstöfen, Feldöfen, und, und, und ... .

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Kein Artikel über historische Gußöfen ist komplett, wenn man die Entwicklung der Feuerungstechnik der Öfen nicht zumindest skizziert: Nicht nur an der äußeren Hülle, sondern auch am inneren Aufbau lassen sich gesellschaftliche Entwicklungen ablesen. Im Gegensatz zu heute war Holz in früheren Jahrhunderten auch als Brennholz ein knappes Gut, zwar nicht immer und überall und auch abhängig von geographischen Bedingungen, Besitzstruktur und Herrschaftswillkür. Die tendenzielle Knappheit und der Wunsch nach mehr Bequemlichkeit, leistete der Verbesserung der Wirkungsgrade der Öfen aber Vorschub. Daß die Sorge um eine Effizienzsteigerung durchaus auch eine traditionell hoheitliche Aufgabe sein kann, machen entsprechend ausgeschriebene Wettbewerbe einiger Landesfürsten deutlich.

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Angefangen mit dem im Aschebett brennenden Feuer früher Rund- und Plattenöfen des 18. Jahrhunderts entwickelten die Hersteller immer ausgefeiltere Methoden zur Verbrennung. Der eingezogene Rost verbesserte die Verbrennung, der Säulenaufsatz erlaubte ein bequemeres Nachfüllen. Aufwengige Rauchgasführungen mit Steig- und Falleitungen verbesserten die Wärmeausbeute, das Aufkommen von Kokskohle für den Hausbrand machte neue innere Aufbauten nötig. Das Verschmelzen der Funktionen Heizen und Kochen brachte völlig neuartige Schranköfen hervor. In verschiedenen Höhen angebrachte und mit Schrauben oder Schiebern verstellbare Lufteinlässe für Primär- und Sekundärluft ließen bezüglich der Regelung der Verbrennung dann kaum noch Wünsche offen.

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Für das Ehepaar Stritzinger ist die Sicherstellung der Funktionalität ihrer Öfen übrigens ein wichtiger Teil Ihrer Sammlerleidenschaft: Alle Öfen der Sammlung sind trotz Ihres Alter von teilweise mehr als 300 Jahren voll funktionsfähig. Sie wurden von den Stritzingers in liebevoller Kleinarbeit zerlegt, gereinigt und wiederaufgebaut. Was für die Öfen ihrer Sammlung gilt hat auch für ihre zum Verkauf angebotenen Öfen Gültigkeit. Kein Ofen verläßt ihr Haus ohne die Gewähr ihn wieder als Holzheizung einsetzen zu können. Klimaschutz mit einer besonderen ästhetischer Note. Und man muß nicht einmal ein eigenes Haus besitzen, um eine der in der Verkaufsausstellung angebotenen Schönheiten zum Preis zwischen DM 5.000,- und DM 15.000,- zu erwerben. Ein gußeiserner Ofen zieht im Zweifel mit um.

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